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  • Katja Allner

Teil 4 Demenz ist nicht gleich Demenz

In Deutschland leben etwa 1,7 Millionen Menschen mit einer Demenz. Demenz ist ein Überbegriff mit etwa 130 Mischformen und -varianten, am häufigsten ist die Alzheimerdemenz. Weitere Formen sind u.a. die gefäßbedingte vaskuläre Demenz, die Lewy-Body-Demenz, die frontotemporale Demenz oder die Demenz bei Parkinson.


Die Alzheimerdemenz ist die häufigste Form (über 50% der Betroffenen) bei der es zu organischen Gehirnveränderung durch Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques und Neurofibrillenbündeln) kommt. Zu Beginn der Erkrankung sind v. a. Hirnareale der Gedächtnisbildung betroffen, so dass es zu Erinnerungslücken und Verwirrtheit kommt. Später folgen ein zunehmender Nervenzellenuntergang und als Folge eine deutliche Abnahme der Hirnsubstanz. Es zeigt sich ein schwankendes Urteilsvermögen, Veränderung des Denkens sowie Schwierigkeiten Bedürfnisse auszudrücken und bekannte Personen zu erkennen. Mit der eingeschränkten Orientierung (zeitlich und räumlich) kommen auch verhaltensbezogenen Veränderungen hinzu (Ängstlichkeit, Wut, Trauer und Rückzug).

Bei der vaskulären Demenz, welche mit 15% die zweithäufigste Form darstellt, sind arteriosklerotische Veränderungen bis hin zum Verschluss der Hirngefäße die Ursache, was zur Minderdurchblutung im Gehirn führt. Ohne ausreichend Blut, welches Sauerstoff zu den Zellen bringt, sterben kleinste Hirngebiete oder sogar ganzer Hirnareale. Typisch bei dieser Demenz ist ein wechselhaftes Leistungsniveau (‚Es gibt gute und schlechte Tage‘) und eine wiederkehrende Antriebsarmut. Oftmals hat der Betroffene keinerlei Einsicht in seine Defizite und in die Notwendigkeit der Hilfe von außen. Menschen mit vaskulärer Demenz sind nicht zu überzeugen, wenn es ihrer eigenen Wirklichkeit widerspricht und so wurde früher oft von Altersstarrsinn gesprochen. Da die Betroffenen auf ihre Wirklichkeit bestehen und helfende Menschen als Spione, die ihre Eigen-/und Selbstständigkeit bedrohen, erleben, ist die Hilfe von außen erschwert.

Die Lewy-Body-Demenz ist eine neurodegenerative Demenzform, die eine gewisse Ähnlichkeit mit der Parkinsonkrankheit hat. Ursache sind winzige Eiweißablagerungen in der Großhirnrinde (Lewy-Körper aus Alpha-Synuclein), wodurch die Gehirnfunktion beeinträchtigt wird. Typisch sind Aufmerksamkeitsstörungen, Störungen in der Raumwahr-nehmung und Halluzination. Die Betroffenen berichten über auffällig detailreiche Halluzinationen (oft optischer, aber ab und zu auch akustischer Natur), wie beispielsweise bunte Tiere, die die Wohnung belagern oder Personen, die genau beschrieben werden können, die am Wohnzimmertisch sitzen und sich unterhalten. Auch bei dieser Demenzform gibt es wechselnde Aktivität: mal sind sie völlig munter und rege, dann plötzlich in sich gekehrt, verwirrt und orientierungslos.

Die frontotemporalen Demenz spielt sich im Frontallappen unseres Gehirns ab. Dieser ist für ein sozial adäquates Verhalten zuständig. Diese Erkrankung tritt meist schon vor dem 60. Lebensjahr auf (Es können auch schon 20-30Jährige betroffen sein!). Als Frühsymptom und lange vor weiteren Symptomen treten Störungen des Sozialverhaltens mit verändertem Kontakt- und Interaktionsverhalten, Kritik- und Urteilsfähigkeit, planvollen Handelns und möglicherweise Defiziten der Sprache auf. Im Verlauf kommt es zur verminderten Selbstkontrolle, Enthemmung, Aggressionen, Wutausbrüche, Vernachlässigung der persönlichen Hygiene, unangemessene Gefühlsäußerung, zwanghafter Handlungen, Rededrang, unpassende Bemerkung und Maßlosigkeit beim Essen und Trinken. Auch hier fehlt die Krankheitseinsicht. Die räumliche Orientierung ist lange unbeeinträchtigt.

Das sind nur 4 Formen der Demenzen und man erahnt schon, da es sich um unterschiedliche Ursachen und unterschiedliche betroffene Bereiche im Gehirn handelt, dass nicht nur die auftretenden Symptome sehr verschieden sind, sondern auch die Maßnahmen verschieden sein müssen, um adäquat auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren zu können. So ist bei fast allen Demenzformen eine zuwendende Berührung hilfreich, um zu trösten, jedoch bei einer frontotemporalen Demenz wird körperliche Nähe, wenn diese nicht vom Betroffenen ausgeht, als irritierend empfunden. Ein Mensch mit Alzheimer profitiert von Orientierungshilfen sehr, ein Mensch der an FTD leidet, kann sich noch sehr lange selbst orientieren und wird die Hilfe eher als Gängeln empfinden. Und auch jeder einzelne Betroffene ist nicht seine Diagnose. Je mehr wir über den Betroffenen wissen, umso besser können wir uns einfühlen und verstehen, was derjenige braucht.


„Fragen Sie nicht welche Erkrankung der Mensch hat, fragen Sie welcher Mensch hat diese Erkrankung.“ William Osler

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