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  • Katja Allner

Newsletterreihe Demenz Teil 2 - Verändertes Ess- und Trinkverhalten bei Menschen mit Demenz

Neben Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörungen sind Erkennungsstörungen insbesondere in Verbindung mit einer Sehschwäche ursächlich für verändertes Ess- und Trinkverhalten. Menschen mit Demenz verlieren die Fähigkeit kontrastarme Umgebungen wahrzunehmen. So kann ein Stück weiße Sahnetorte auf weißem Teller und weißem Tischtuch nicht wahrgenommen werden. Besser einen roten Teller wählen, um Kontrast zu schaffen. Gemustertes Geschirr hingegen kann zu Verwirrungen führen, da das Muster fälschlicherweise als Essen verkannt wird.

Apropos Verkennen: Manchmal kommt es auch zum geschmacklichen Verkennen. Seien Sie als Koch / Köchin also nicht beleidigt, falls der Betroffene das Essen als faulig oder verdorben wahrnimmt, sondern tauschen sie es einfach gegen etwas Anderes aus. Ein auf den Betroffenen Einreden i. S. „Das ist einwandfrei. Das bildest du dir ein.“ Ist nicht zielführend. Versetzen Sie sich in seine Lage. Würden Sie nochmal etwas in den Mund nehmen, was zuvor eklig geschmeckt hat und von dem Sie überzeugt sind, dass es nicht mehr gut ist?

Das Essen sollte wenn möglich nicht püriert werden, da so die Bestandteile nicht zu erkennen sind. Auch zu heißes Essen ist eine Gefahr, da Menschen mit Demenz dieses nicht als zu heiß erkennen werden und Verbrühungsgefahr besteht.

Bei fortgeschrittener Erkrankung kommen Koordinationsstörungen hinzu, die auch das Essen mit Besteck oder das selbständige Befüllen einer Tasse oder des Glases erschwert. Spezielles Geschirr mit Kontrasten kann hier einen großen Beitrag leisten. Ich persönlich bin nicht für Melamin / Ornamin (Plastikgeschirr), denn Porzellan ist für Menschen mit Demenz ein bekanntes, vertrautes Material, sowohl von der Haptik als auch von den Geräuschen wie Teller klappern oder der Klang von Besteck auf Porzellan.

Bitte das Essen auch nicht mit etwas abdecken (Geschirrtuch oder ähnlichem), da bei Verlust des Abstraktionsvermögens, nicht mehr klar ist, das unter dem Tuch etwas zu Essen ist.

Anstelle von Gläsern/Tassen /Trinkbechern bitte keine Schnabeltassen verwenden. Sollte es aufgrund von Schluckstörungen nicht mehr so einfach sein, aus einem Glas oder einer Tasse zu trinken, gibt es sogenannte Dysphagiebecher. Diese sind so geformt, dass die Nase gut mit in den Becher passt, aber an den Seiten nichts rausläuft und die Becher können aufgrund der breiten und schwereren Basis gut abgestellt werden. Wenn das Essen mit Besteck schwierig wird, ist Fingerfood eine gute Strategie (das geht auch z. B. beim Mittagessen mit Fleischstücken, Kroketten und Möhren; es muss also nicht immer Gemüseteller oder Brot geben). Hier aber bitte nicht wie in Kinderzeiten anrichten. Menschen mit Demenz sind keine Kinder und haben ein Recht auf einen würdevollen Umgang.

Hilfsmittel wie Brille, Hörgerät und Zahnersatz sollten, wenn vorhanden, immer benutzt werden. Denn wer sieht und hört, was um ihn geschieht, erschrickt weniger und kann sich besser konzentrieren. Letzteres ist bei Demenz ohnehin betroffen, sodass die Essenssituation ruhig und ablenkungsarm gestaltet werden sollte (Essen während der Fernseher läuft, ist übrigens nicht nur bei Demenz ein No-Go).

Im fortgeschrittenen Stadium ist es schwierig, die eigenen Körpersignale zu deuten. Das Grummeln im Bauch wird nicht mehr mit Hunger verknüpft. Ritualisierte Tagesstrukturen geben hier Orientierung. Aber auch das Sättigungsgefühl wird nicht mehr als solches bewertet (v. a. bei bestimmten Demenzformen wie FTD). Neben der Nahrung immer wieder ein Glas zu trinken anbieten, kleinere Teller mit weniger Essen und dafür öfter, und die Farbe Rot des Tellers (Forscher vermuten, dass der menschliche Körper diese Farbe als Warnsignal interpretiert und entsprechend weniger Nahrung aufnimmt) können hier zumindest bedingt helfen.

Zugehörige und Pflegende von Menschen mit Demenz benötigen viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Kreativität, aber oft genug lohnt sich der Aufwand.

Mehr zum Thema Demenz gibt es ab September im Teil 3 dieser Newsletterreihe J


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