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  • Katja Allner

Natur gegen Stress und Angst

Gerade in turbulenten Zeiten ist es wichtig, sich Auszeiten zu gönnen, um sich selbst wieder in den Fokus zu rücken und sich besser spüren zu können. Sie haben sicher auch schon von Waldbaden gehört. Das aus Japan stammende „shinrin yoku“ bezeichnet das Aufsaugen der Atmosphäre im Wald (der positive Effekt wird in Japan schon seit 30 Jahren wissenschaftlich untersucht). Der Begriff wurde 1982 im Rahmen einer Marketingkampagne des Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei in Japan geprägt, um die Menschen wieder mehr mit der Natur zu verbinden.

Die positiven Auswirkungen auf die körperliche und mentale Gesundheit werden zum Teil den so genannten Terpenen und Terpenoiden zugeschrieben. Diese Moleküle werden von Bäumen zur Kommunikation freigesetzt. So werden Bestäuber (Insekten) angelockt und andere Pflanzen z. B. vor Fressfeinden gewarnt. Ein Baum kann ja nicht einfach weglaufen, doch mit dieser Form der Kommunikation können zeitnah gezielt Abwehrstoffe produziert und freigesetzt werden. Warum uns die Terpene so guttun, wird wissenschaftlich gerade untersucht.


In einer kleinen Studie der Nippon Medical School in Tokio quartierten Forscher (unter der Leitung von Prof. Qing Li) zwölf Testpersonen in einem Hotel ein. Bei der einen Hälfte wurde die Atemluft in der Nacht mit Waldluft angereichert. Man wollte nachweisen, dass die enthaltenen Terpene das Immunsystem stärken. Und tatsächlich: am nächsten Tag wiesen die Blutproben der Waldluft-Teilnehmer eine deutlich höhere Zahl und Aktivität der körpereigenen Killerzellen auf. Diese natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) bilden Proteine zur Bekämpfung von Krebszellen. Deshalb könnte das regelmäßige Waldbaden der Krebsbildung präventiv entgegenwirken. Die erhöhte NK-Zellen-Aktivität hält nachweislich mindestens 7 Tage nach dem Besuch im Wald an! („Mein Experiment hat gezeigt, dass die Terpene Immunzellen wie die natürlichen Killerzellen stimulieren, und dass verstärkt die Wirkung der Immunfunktion“, sagt Prof. Qing Li. „Wer einen Tag im Wald verbringt, hat sieben Tage lang mehr natürliche Killerzellen im Blut.“)


1990 hat bereits Prof. Miyazaki Yoshifumi (Universität Chiba) in einer ersten Feldstudie den Zusammenhang zwischen längeren Aufenthalten im Wald und der reduzierten Zahl von Stresshormonen im Blut gezeigt. „Waldbaden ist die Rückkehr zu unseren Wurzeln, denn unser Körper erkennt die Natur noch immer als sein Zuhause." (Yoshifumi Miyazaki)

Auch andere Phytonzide (Oberbegriff der flüchtigen organischen Verbindungen, die Pflanzen ausströmen, um Bakterien, Pilze und Insekten abzuwehren) lösen beim Einatmen ein Gefühl der Ruhe aus, senken den Blutdruck und die Herzfrequenz sowie die Aktivitäten des präfrontalen Kortex und verringern das Stresshormon Cortisol im Blut. Täglich zwanzig Minuten Waldbaden reichen laut einer Studie der Universität Michigan USA aus, um den Cortisol-Spiegel um 21% zu senken.

Marc Berman hat an der Universität Chicago 2015 in einer Studie festgestellt, dass je weniger Bäume in einer Wohngegend stehen, desto höher ist das Risiko für typische Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Schwäche, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus.

Sicher ist es auch das Zusammenspiel aus Farben (Grün wirkt beruhigend), Ruhe i. S. von natürlichen Geräuschen wie Vogelgezwitscher, Wind im Blattwerk oder das Knirschen kleiner Zweige unter unseren Füßen und den Gerüchen im Wald, was uns gut tut. Daher wichtig, damit es funktioniert: Die Zeit im Wald achtsam verbringen (Telefone auf stumm stellen) und die Umgebung mit möglichst vielen Sinnen wahrnehmen (fassen Sie ruhig die Rinde der Bäume an, sie müssen den Baum nicht gleich umarmen, aber unser Tastsinn erfreut sich an verschiedenen Oberflächen)!

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